Netzhautchirurgie

Der Fachbegriff «Retina» bedeutet auf lateinisch «kleines Netz» und stammt aus dem arabischen «al-ḥigâb ash-shabakî» (الحجاب الشبكي). Die Retina wurde im 11. Jh vom berühmten Arzt Ibn al-Haytham (965-1040), auch bekannt als Alhazen in seinem Buch «Schatz der Optik (Kitāb al-Manāẓir, كتاب المناظر ) beschrieben. Dieses grundlegende siebenbändige Werk wurde von nachfolgenden Wissenschaftlern und Aerzten im 12. Jh auf lateinisch übersetzt und somit auch der westlichen Welt zugänglich. Es beeinflusste die mittelalterliche Wissenschaft massgeblich.

Bildlegende: Ibn al-Haythams Zeichnung der Augenanatomie, sowie die lateinische Übersetzung

Die Netzhaut (Retina) befindet sich auf der Innenseite des Auges. Sie ist aus mehreren Zellschichten aufgebaut, die stark untereinander vernetzt sind. Sie erzeugt die Bilder, die über den Sehnerven an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet und wahrgenommen werden.

Die etwa 130 Millionen Sinneszellen in der Netzhaut des Auges sind anspruchsvoll: Jede Störung des Stoffwechsels kann sie irreparabel schädigen. Erkrankungen führen häufig zu starken Beeinträchtigungen des Sehens oder sogar zur Erblindung.

Darstellung der Retina, der Netzhaut des Auges

Symptome von einer Netzhauterkrankungen

Das menschliche Auge
  • Verzerrtes Sehen

  • Ein eingeschränktes Gesichtsfeld

  • Verschlechterung des zentralen und des peripheren Sehens

  • Schwärme von schwarzen Punkten, die am Auge vorbei ziehen

  • Wahrnehmung von plötzlichen Lichtblitzen

  • Wahrnehmung von Schatten

Bei einem oder mehreren dieser Symptome sollte dringend der Augenarzt aufgesucht werden, da eine Erkrankung der Netzhaut vorliegen könnte.

Behandlung mit dem Argon-Laser

Bestimmte Veränderungen der Netzhaut können mit dem Grün-Laser behandelt werden. Vor der Laserbehandlung wird zunächst die Pupille mit Augentropfen weitgetropft und das Auge mit Tropfen betäubt. Ein Kontaktglas wird auf das Auge aufgesetzt. Der Laser kann durch dieses gezielt auf bestimmte Netzhautbereiche gerichtet werden. An diesen Stellen kommt es durch die Laserenergie kurzzeitig zu einer starken Erwärmung, die eine Vernarbungsreaktion auslöst. Dieser Vorgang wird als „Laserkoagulation“ bezeichnet. Während des Eingriffes ist es möglich, dass das Licht der Spaltlampe Patienten blendet. Die Laserbehandlung kann zudem etwas schmerzhaft sein, wird aber in der Regel gut toleriert. Der Grün-Laser wird hauptsächlich eingesetzt, um einen Riss oder ein Loch in der Netzhaut zu veröden. Dadurch lässt sich oft eine Netzhautablösung verhindern, die eine größere Operation nötig machen würde. Auch bei Patienten mit Mangeldurchblutung der Netzhaut oder mit diabetischen Netzhautveränderungen wird die Laserkoagulation durchgeführt. Bei der fokalen Laserkoagulation wird im Bereich der zentralen Netzhaut gelasert, um undichte Blutgefäße zu veröden und damit einen Rückgang von Flüssigkeitseinlagerungen im Bereich der Makula zu erreichen. Bei der sog. panretinalen Laserkoagulation werden über die gesamte Netzhaut verteilt viele kleine Lasernarben gesetzt. Hierdurch lässt sich die Sauerstoffversorgung der Netzhaut verbessern und spätere Komplikationen, die durch die Mangeldurchblutung der Netzhaut entstehen könnten, können vermieden werden.

Am EYEPARC benutzen wir sit Jahren einen Scanning Pattern Laser. Dabei werden automatisch mehrere sehr kurzdauernde Laserherde gesetzt, was für die Netzhaut schonender und für Patienten wesentlich angenehmer ist.

Argon-Laser

Operative Behandlung mittels Pars-Plana-Vitrektomie

Operative Absaugung des Glaskörpers (Vitrektomie)

Der Eingriff erfolgt über minimalinvasive 23 oder 25 Gauge Zugänge

Wenn eine Heilung Ihrer Netzhauterkrankung nur mittels eines chirurgischen Eingriffs erreicht werden kann, wird dieser direkt im Operationsaal des EYEPARC durchgeführt. Diese Situation findet sich häufig bei folgenden Erkrankungen:

  • Netzhautablösungen

  • Glaskörperblutungen aus verschiedenartigen Gründen

  • Glaskörpertrübungen wie Floatern

  • Chronischen oder akuten Entzündungen bei einer weit vorangeschrittenen, durch Diabetes ausgelösten, proliferativen Retinopathie

  • Makulaerkrankungen, wie z.B. Lochbildung (Makulaforamen), Verwachsungen (epiretinale Gliose) oder komplizierten Fällen einer altersbedingten Degeneration an der Makula (AMD)

Unsere erfahrenen Netzhautspezialisten führen die Eingriffe als eines der ersten Zentren in Bern nach neuestem Stand der Augenchirurgie und mit modernster technischer Ausstattung über minimalinvasive 25 Gauge Zugänge mit einer Größe von nur 0,5 besonders fortschrittlich und schonend für das Auge durch.

Dank dem Einsatz dieser minimal-invasiven Vitrektomietechnik können wir auch kompliziertere Eingriffe mit vergleichsweise geringem Risiko durchführen und erforderliche Schnitte in Binde- und Lederhaut minimal halten. Diese hochfeinen Zugangswege verschließen sich im Normalfall von alleine wieder, auf Nähte können wir daher verzichten.

Behandlungsablauf

Die PpV führen wir im Regelfall ambulant in unserem Operationssaal durch. In Abhängigkeit von der Komplexität des Eingriffes wird diese Operation in örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose durchgeführt.

Der Behandlungsablauf eines PpV-Eingriffes gliedert sich im Wesentlichen in die folgenden drei Schritte:

Schritt 1

Über winzige Zugänge werden die feinen Arbeitsinstrumente in den Glaskörper eingeführt (minimal-invasive Operationstechnik). Unter dem hochauflösenden Operationsmikroskop kann der Eingriff dann durchgeführt werden.

Schritt 2

Der Glaskörper wird komplett oder in Teilen entfernt, damit an der dahinterliegenden Netzhaut, die zur Heilung der individuell vorliegenden Erkrankung nötigen Arbeitsschritte durchgeführt werden können. Dies kann darin bestehen, Narbengewebe zu entfernen (Peeling), Blutgefässe oder Teile der Netzhaut mittels Laser-, Kryo- (Kälte) oder Elektrokoagulation zu veröden, Flüssigkeit oder Blut abzusaugen und die Netzhaut wieder anzulegen.

Letzter Schritt

In einem letzten Schritt ist es oftmals medizinisch notwendig, Flüssigkeiten, Gas, Silikonöl oder auch Medikamente zur Stabilisierung in das Auge einzubringen, um den entstandenen Hohlraum aufzufüllen, den der entfernte Glaskörper hinterlässt.

Insbesondere bei Netzhautablösungen kann der Einsatz von Silikonöl notwendig sein, das nach einiger Zeit wieder abgesaugt werden muss, um eine höhere Sehkraft zu erreichen und Komplikationen zu vermeiden.

Gas und Flüssigkeit werden hingegen vom Körper durch eigene Flüssigkeit ersetzt. Im Rahmen des PPV-Eingriffs ist in manchen Fällen eine ergänzende Laserbehandlung der Netzhaut sinnvoll.

Augenzentrum Eyeparc